v.l.n.r. Johanna Weber, Kolja Nolte und Dr. Eve, die Leitung des Atrium

#5: Becoming Elias Goldmund Kapitel 2 – And this is how I met … my sisters

X und Y kommen in diesem Kapitel nicht vor, soooorry... S bildet erste Kontakte in die echte Berufswelt. Er absolviert unverhofft und erfolgreich zum eigenen Vergnügen einen Einstellungstest mit der Chefärztin der Fetisch-Klinik persönlich. K empfiehlt S die baldige Aufnahme der eigenen Karriere.
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Falls sie gerade erst neu auf diesen Blog aufmerksam geworden sind, lesen Sie bitte (wenigstens einmal) diesen ersten und diesen zweiten Artikel!

Was bisher geschah…

X und Y liefern sich ein hartes Battle in Beamt*Innen-Mikado und woher die mysteriöse Email kam, weiß man weiß nicht…
S (in einem zu engem T-Shirt) wird von K (mit einem vielsagenden Blick) im Atrium empfangen, welcher ihm angeboten hatte, die Frage zu klären, wo S zahlende weibliche Kundschaft finden kann.
Alle am Tag der offenen Tür Anwesenden sitzen bei Prosecco und Sonnenschein auf der Terrasse.

Überfordernder Erstkontakt mit der echten Berufswelt

S wird von einer übertrieben charmanten jungen Dame mittleren Alters („C„) adressiert: „Hast du schonmal professionell gearbeitet?“ – „Nee“ – „Hast du schon Fotos gemacht“ – „Ja“ – „Zeig mal“ – „Moment“[S zeigt die Fotos]

Das ist das Foto, mit dem ich C um den Finger wickelte: „The sexiest Cop alive“

Die übertrieben charmanten jungen Dame mittleren Alters in einem anerkennenden, leicht erregten Ton: „Woah, du bist aber auch echt ein Hottie (diese als Kompliment getarnte objektive Einschätzung seiner äußeren (selbstverständlich auch inneren) Erscheinung würde S für immer in Erinnerung halten). Weißt du, ich könnte manchmal nen männlichen Assistenten brauchen, kannst du dir das vorstellen?“
Die nun folgende, sehr lebhafte Szene lebt eher von den inneren Prozessen der Protagonisten und ist von außen trotzdem insofern interessant zu beschreiben, um unseren langsam zum Hauptdarsteller werdenden S etwas besser kennen zu lernen, weswegen sie in Echtzeit beschrieben wird. Für den maximalen Lesegenuss empfiehlt es sich, folgenden Textabschnitt langsam, mit Blick auf die Uhr und angemessen langen Pausen zu konsumieren:

Direkt nach der frech-direkten Frage der übertrieben charmanten jungen Dame mittleren Alters reagiert S folgendermaßen:

… … … Keine Reaktion … … …

Die übertrieben charmante junge Dame mittleren Alters lässt dem braungebrannten, mitteljunger Mann mit sportlicher Statur, sehr kurzen Haaren und einem viel zu engen T-Shirt Zeit, das Erlebte zu verarbeiten und wartet ein paar Minuten…

… … … Absolut nichts passiert … … …

Eine leichte Anspannung am Tisch wird deutlich spürbar, alle Augen kleben auf S‘ nach hinten gerollten Augen und dem aus dem Mund langsam das Kinn hinterlaufenden Schaum…

… … … fünf Minuten später: Immer noch nix … … …

(Sie – wehrte Leser – haben jetzt offensichtlich Zeit für einen gemütlichen Toilettengang oder um sich ein paar Bier vom Späti zu holen und eventuell auch schon eins davon ganz in Ruhe zu trinken)

Die Sonne verkündet langsam ihren Abschied und es passiert: … … … Immer noch rein gar nichts … … …

Um nicht unnötig viele Stunden ins Land ziehen zu lassen kommen wir zurück zum Wesentlichen: S ist – anscheinend von der Frage eiskalt erwischt – komplett eingefroren und wüsste ausnahmsweise mal nicht, was er spontan antworten soll, könnte er in seinem Zustand überhaupt noch irgendetwas sagen.
Könnten X und Y aus dem Finanzamt Neukölln S so sehen, sie würden vor Neid und Ehrfurcht ebenfalls erstarren (von außen schwer von ihrer alltäglichen Arbeitsroutine zu unterscheiden, aber die Motivation im Kern macht den Wert der Arbeit aus!) und ihn sofort zu ihrem Trainer „Z“ (auch „Abteilungsleiter“ oder „Häuptling“) ernennen!
S‘ Rettung kommt unerwartet: Von etwas weiter weg am Tisch setzt sich ein aufgeregtes Gekicher durch das allgemeine Geschnatter durch und knabbert zart an S‘ Ohrläppchen, sodass er wieder und zu Bewusstsein kommt, unauffällig den Sonnenstand checkt und so tun kann, als sei in der letzten halben Stunde absolut nicht Ungewöhnliches passiert. „Ich soll dir in nem echten Kundentermin assistieren, mit Menschen?“ – „Ja klar, warum nicht, bekommst du hin!“ – „Weiß nicht, kann ich mir noch nicht vorstellen“ – „Doch, wirklich, entspann‘ dich einfach“ – „Ach so, ok, dann gerne.“ Nummern werden getauscht, der Abend kann weiter gehen.

Das Business läuft

Von der anderen Seite des überhaupt nicht geschmückten Biertischgarniturtisches richtet eine andere Dame das Wort an S: „Ich könnte auch ab und einen Mann brauchen, wenn die Kunden etwas anspruchsvoller oder schwieriger sind.“ S glotzt so ungläubig, dass die Dame anscheinend etwas irritiert ist, und aufgrund ihrer Erfahrungen mit S anfängt zu schwitzen und dabei zum Glück nicht bemerkt, dass S wieder auf dem Weg ins Freeze ist. Er reißt sich zusammen und antwortet gelassen; „Ja klar, voll gerne, überhaupt kein Problem, ich hab ja auch schon mit anderen Menschen hier ne Zusammenarbeit geplant.  Ich müsste dann halt mal schauen, wann ich Zeit habe. Gib mir mal deine Nummer, aber versprechen kann ich nichts.“ Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob sich die letzten zwei Dialoge wirklich so zugetragen haben. Wichtiger ist, dass S langsam anfängt, sich unter (schon sehr bald!) seinesgleichen wohl zu fühlen und sich seinem Schicksal und einigen weiteren Gläsern Prosecco hinzugeben. Weitere Gespräche über bisherige Berufserfahrungen finden statt und man ist sich am Ende der Tafel einig, dass S für den Beruf nicht nur berufen, sondern vielmehr geboren sei! Er möge doch mal ernsthaft drüber nachdenken, ob das nichts für ihn wäre usw.

Erste Schritte in der Berufswelt

Die Verursacher der vorherigen fröhlichen Lautmalerei, die sich als S‘ Rettung erwiesen hatte, sind der Chef höchstpersönlich und eine weitere anschauliche Dame (von derer es hier auf der Terrasse nur so wimmelt), welche sich, von S‘ Blicken ertappt, mit bescheidenem Erfolg versuchen, nichts anmerken zu lassen. Durch die zweite Flasche Prosecco etwas aufgetaut und zu Neckereien aufgelegt gibt S seinem Bedürfnis nach Transparenz ob der reiferen Herrschaften Gemunkel nach und bittet um Aufklärung. K (mit dem Blick erst zu S, dann langsam Richtung Sitznachbarin schwenkend): „Naja, deine Talente sind hier nicht unentdeckt geblieben, scheint ein gewisses Interesse an deiner Kompetenz als Assistenzarzt zu geben.“ S wittert seine Chance, endlich erste Erfahrungen im medizinischen Sektor machen zu dürfen, steht auf und erklärt seine uneingeschränkte und sofortige Einsatzbereitschaft: „Ich bin ja hier, ihr könnt alles anfass… ääääh, anschauen, was ihr wissen wollt“.

Eine Ärztin und ein Arzt (beide ganz in weiß) stehen in einem hell beleuchteten sonnigen Gynäkologenzimmer und schauen vertrauensvoll und auch etwas herausfordernd in die Kamera.
Das Ärzt*Innenteam ihrer Wahl für perverse Fantasien jeder Art.

Um die Vertraulichkeit des anstehenden Vorstellungsgesprächs zu wahren wird ein Raumwechsel vorgenommen. Eine durchsichtige Glastür, die der versammelten Tischgesellschaft komplett freie Sicht auf die Geschehnisse gibt, scheint den Beteiligten der folgenden Szenen, die der bemühten und ausdauernden Leserschaft aus Anstandsgründen erspart bleiben sollen (die anständige Leserschaft will die Nase ja nicht in die schmutzigen Angelegenheiten anderer Menschen stecken), der richtige Sichtschutz zu sein (wogegen die im Atrium anwesenden Menschen ihre Nasen anscheinend sehr gerne in andere schmutzige Menschen stecken).

„… du könntest dann hier bestimmt richtig viel Geld verdienen.“

Der Abend verlief den bisherigen Schilderungen entsprechend noch ein wenig weiter und entspannte sich mit dem Verschwinden er letzten Sonnenstrahlen am warmen, sich dunkelblau färbenden Nachthimmel, als S beschloss, den Heimweg anzutreten. Dass das versprochene, vertrauliche „Unter-Vier-Augen-Gespräch“ über die Frage nach den Bedürfnis-bewussten, zahlungswilligen und -fähigen Frauen noch nicht stattgefunden hatte, schien auch K bewusst zu sein, welcher S nach anständigem Abschied von der gut gelaunten Feiermeute zur Tür begleitete und seinen Arm auf dessen Schulter liegend einige einen Taufschwall imitierende Verheißungen über S ergehen ließ, die sein Leben nachhaltig beeinflussen sollten: „Mein Lieber, so wie du aussiehst und mit deiner Ausstrahlung und deiner Art passt du hier gut rein. Von mir aus könntest du morgen hier anfangen, musst dich aber davor noch anmelden gehen und könntest dann hier bestimmt richtig viel Geld verdienen.“ Mit dem Satz „Denk drüber nach, ich würde mich freuen.“ schob K den verwirrten S (wieder im Freeze) sanft aus der Tür und ließ sie leise ins Schloss fallen.

S stand tatsächlich lange Augenblicke regungslos im dunklen Flur vor dem Atrium (true story!). Folgende Gedanken sind wortgetreue Zitate von S‘ komplett durcheinandergeballerten Gedankenwelt „Was zur Hölle ist gerade passiert??? Häää? Nee! Oder doch? Ja auf jeden Fall, aber kann eigentlich gar nicht sein. Ach so schade, dann doch nicht, aber warte mal, hat er gerade wirklich gesagt, oder? Fuck, ist mir schwindelig, das kann alles gar nicht sein, usw.“ S konnte tatsächlich keinen klaren Gedanken fassen und wankte mit etwas weichen Knien langsam die glatten Stufen der zwei Stockwerke hinunter. Der Fahrtwind war immer noch lauwarm und auch nach der Fahrt den gesamten Columbiadamm hinunter konnte S immer noch nicht klar denken, so geschockt und überwältigt war er von Ks letzten Worten. Lange schon nicht mehr hatte S so viel Bestätigung bekommen, ohne etwas Besonderes dafür leisten zu müssen. Lange schon nicht mehr hatte sich S in seiner Art und seinem Wesen so gesehen gefühlt. Lange schon nicht mehr war sich S seines Weges so sicher. Es war eine der bedeutsamsten Nächte seines Lebens.

Dem Geheimnis, was X und Y mit dem Ganzen zu tun haben, sind wir kein Stück näher gekommen, ich bitte dies ausdrücklich zu entschuldigen. Die Antwort kommt tatsächlich im nächsten Kapitel 🙂

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